Auch wenn es erfreulich ist, dass Massenmedien wie die Kronenzeitung mit durchaus seriösen Argumenten gegen das Freihandelsabkommen EU-USA mobilmachen, darf die Diskussion nicht nur die unmittelbaren Auswirkungen dessen was künftig in den Supermärkten bzw. auf unseren Tellern landet, berücksichtigen. Sie muss auch noch dringend einen sehr wichtigen weiteren Aspekt beleuchten: den Verlust unserer Ernährungssouveränität in Österreich bzw. in Europa.

Die Idee der Ernährungssouveränität – auch wenn sie damals noch nicht so bezeichnet wurde – hat seine Wurzeln in den ersten bäuerlichen Aufständen in Mexiko aus dem Jahr 1994 – bekannt geworden als Zapatismus. Damals trat mit Beginn des Jahres 1994 das Freihandelsabkommen NAFTA in Kraft, das von der westlichen Welt als globale Errungenschaft und Sicherung der Handelsfreiheit gefeiert wurde. „Ab dem Inkrafttreten des WTO-Abkommens über die Landwirtschaft […] wurden zahlreiche Staaten, die ihre Bevölkerung zuvor selbst ernähren konnten, gezwungen, ihre Handelsschranken abzubauen. Als US-amerikanische und europäische Produkte mithilfe von Exportförderungen und anderen Subventionen zu Dumpingpreisen auf die geöffneten Märkte strömten, verloren hunderttausende BäuerInnen ihre Existenzgrundlage.“ (Quelle: Irmi Salzer, Kleinbäuer*innen ernähren die Welt) Ebenso bedeutete für Tausende von Kleinbauern in Mexiko das Abkommen den Weg in die Armut, weil einerseits die Weltbank Mexiko zu rigorosen Sparmaßnahmen zwang, die vor allem zu Lasten der staatlichen Förderprogramme für Gesundheit und Nahrungsproduktion gingen, und andererseits mit dem Freihandelsabkommen plötzlich der Weg frei war für staatlich gestützte landwirtschaftliche Produkte aus den reichsten Ländern der Erde. Anstelle die Landwirtschaft in Mexiko zu stärken, wurde das Land der Tortillas und des Maisanbaus mit billigen, zum Beispiel mit subventionierten Mais aus den USA überschwemmt. Die eigenen Produkte verteuerten sich rasant und konnten von Millionen von Landwirten nicht mehr, oder nur unter ihrem Gestehungspreis verkauft werden. Die Bauern wurden in die Armut getrieben, zahlreiche von ihnen haben ihre landwirtschaftliche Produktion aufgeben müssen und wurden zu minderqualifizierten Arbeitskräften der Industrie. (Quelle: Harald Lemke, Politik des Essens)

Die USA haben massives Interesse daran, landwirtschaftliche Produkte nach Europa zu exportieren. Dass aus der amerikanischen Agroindustrie viele Produkte in riesigen Mengen und zu sehr günstigen Preisen produziert werden können, ist kein Geheimnis. Was passiert dann mit unseren heimischen Bauern? Können auch sie dann ihre Produkte nicht mehr verkaufen, weil sie höhere Preise erzielen müssen? Muss die Landwirtschaft dann noch intensiver geregelt und subventioniert werden? Ernährungssouveränität ist für ein Land von sehr großer Bedeutung. Seine Bürgerinnen und Bürger aus eigener Kraft ernähren zu können, ist dabei nur ein Aspekt. Die hohe Qualität der heimischen Produkte, der Erhalt unserer Landschaft und die Würde das Überleben eines ganzen Berufsstandes sind zahlreiche weitere Punkte, für die es sich lohnt zu kämpfen.