Ein Beitrag von Birgit Klackl-Salletmaier, Master in Gastrosophy

GUTES ESSEN FÜR GASTROSOPHEN

Samstag Mittag im Hörsaal 356 der Universität Salzburg: Aus Frühlingszwiebeln, Paprika, Kohlrabi, Kirschparadeisern und einigen Gewürzen bereitet Lukas Huber eine schmackhafte Gemüsepfanne zu, garniert mit verschiedenen Weichkäsesorten, dazu ein kleiner grüner Salat und Kornbrötchen. Zum Dessert zaubert er geschmorte Pflaumen mit Honig und auch kleine Vanillekrapfen stehen auf einem Tisch daneben. Die Studentinnen und Studenten – im Alter zwischen 25 und 70 Jahren – erfreuen sich an diesem warmen Mittagsmahl an einem insgesamt kühlen Herbsttag.

Das Bemerkenswerte an dieser Mahlzeit ist jedoch weder der Ort noch das Publikum: Es sind die Zutaten, denn die stammen alle aus der Tonne – der Mülltonne, dem Koloniakübel, der Abfalltonne.

Am Vorabend herausgefischt aus dem Abfall von Salzburger Lebensmittelgeschäften. Meine Mitstudentin Angela Mayr dokumentiert unser Projekt mit der Kamera, während ich mir fürs Wastediving die Gummihandschuhe übergestreift und die Regenjacke angezogen habe. Beide hatten wir bis dahin keine Erfahrung mit „Mülltauchen“, aber eine Menge Interesse daran, ob den Presseberichten und den Erzählungen von Bekannten über die Unmengen an Lebensmitteln im Müll zu trauen sei.

Schon beim ersten Halt bei einem Supermarkt (der mit der grünen Tanne) gegen 20.00 Uhr wussten wir: Es stimmt alles! Wir fischten Brot und Gebäck für etwa 50 Personen aus der Tonne, Mindesthaltbarkeit bis zu diesem Tag! Außerdem fanden wir Salat, bei dem einfach nur die äußeren 2-3 Blätter welk waren.

Bei unserer nächsten Station (gelb-rotes Logo) gab es eine kleine gemischte Weichkäseplatte, die unserem Koch später als „Garnitur“ diente. Mehr war hier nicht zu holen, das Obst und Gemüse in der grünen Biotonne war zu Recht dort drin: verfault, verschimmelt und völlig zerdrückt.

Der dritte Stopp auf unserer Tauchtour zahlte sich endlich richtig aus: Paprika in Plastiktrays, in denen nur ein Stück verfault war. Kohlrabi und Frühlingszwiebeln, von denen wir nichts aussortieren mussten, so tadellos sahen sie aus. Von den Paradeisern waren nur einige braun geworden – zurück in die Tonne. Und bei den Pflaumen sortierten wir an Ort und Stelle ebenfalls aus, hatten aber danach noch mehr als genug für das geplante Mittagessen.

Unsere Fundstücke packten wir alle in eine Klappkiste und sortierten zu Hause nochmal, warfen allerdings kaum noch etwas weg. Unser Mitstudent und gelernte Koch Lukas war nach einem Telefonat hoch erfreut über die Zutaten und voll der Ideen für das Mittagessen – wie oben beschrieben. Unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen genossen das Mahl ebenfalls: Manche mehr, als sie erfuhren, dass die Zutaten aus der Tonne kamen. Und andere, trotzdem die Zutaten aus der Tonne kamen!