Die Forschung an Pflanzen um tierische Lebensmittel zu ersetzen, ist modern und Gewinn versprechend geworden. Die Unternehmen forschen und entwickeln im Namen von Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie Welternährung und Hungerbekämpfung. Hohe Ziele, in die kapitale Größen wie Bill Gates investieren. Einige Startups verkaufen schon erfolgreich Ihre Produkte. Ist Beifall und Jubel für Nachhaltigkeit und Gesundheit angesagt? Ich bin auf die Suche nach Vor- und Nachteilen gegangen.

Noch bevor das österr. Monatsmagazin Datum sich in seiner aktuellen Ausgabe mit Startups wie Hampton Creek und Beyond Meat beschäftigt hat, war Bill Gates schon da, und hat dem vielversprechenden Zukunftsthema schon einen eigenen Blog-Beitrag gewidmet und sein Geld als Venture Capital zur Verfügung gestellt.

Das Startup Unternehmen Hampton Creek erforscht in beeindruckender Weise Pflanzen und ihre Eigenschaften, um Ei in vielen verarbeiteten Produkten zu ersetzen. Erklärte Ziele:

  • Die Eliminierung der würdelosen Legehennen-Käfighaltung,
  • Umweltschutz durch weniger CO2– und Methanausstoß,
  • Ressourcenschonung durch weniger Land- und Wasserverbrauch für Futtermittel
  • Mehr an Gesundheit durch weniger schädliches Cholesterin für den Menschen.

Und es ist tatsächlich schon gelungen, Ei als Zutat zu ersetzen. Mayonnaise unter dem Markennamen „Just Mayo“ ist in den USA bereits auf dem Markt – ganz ohne Ei. Die Bindung übernimmt ein isoliertes Protein aus einer Bohne. Und das Produkt ist erfolgreich, weil gut im Geschmack und nicht teurer als herkömmliche Mayonnaise – und damit erregt es natürlich den Missfallen der etablierten Eier- und Foodindustrie.

CNN Money über Just Mayo

Vom Foodservice zum Endverbraucher

Ebensolchen Erfolg hat Hampton Creek mit den Keksteigen „Just Cookie“. In den Cookie-Massen wird das Ei durch ein Protein aus Sorghumhirse ersetzt. Bei vielen Großherstellern ist der Keksteig schon in Verwendung und so werden in der Großverpflegung und in der Backwarenindustrie bereits Tausende Eier eingespart. Ein Erfolg – durchaus! Und ich auch als Fertigteige, in hübsche Dosen abgefüllt, wird der Teig schon für die Haushalte zu Hause verkauft. Und ganz Profi in der Bildsprache, zeigt man dabei ein süßes kleines Mädchen, das den rohen Teig aus der Dose nascht. Die Botschaft dahinter: Ohne Ei ist auch roher Teig sicher J – eine sehr professionelle subtile Botschaft an die ängstlichen amerikanischen Verbraucher.

Der Hersteller bekennt sich auf Nachfrage auch zur GMO-freien Forschung und Produktion. Biologisch ist noch nicht ihr Ding – aber sie arbeiten dran und meinen, dass biologische Produktion vielleicht ein Weg für die Zukunft wäre.

 

Die echte Herausforderung kommt aber mit dem Ersatz von Ei als schmackhaftes Ei-Produkt. In Planung, und erwünschterweise 2016 am Markt, ist angeblich „Just Scramble“. Und ab da wird es wirklich spannend – finde ich: Ei als Bindemittel zu ersetzen ist eines, aber Ei als Ei zu ersetzen ist sehr speziell. Woraus besteht denn dann diese flüssige Fake-Ei-Masse? Irgendein pflanzliches Protein gelöst und isoliert, Wasser, Öl und wahrscheinlich zahlreiche Farb- und Geschmacksstoffe. Bald schon wird man also in Hotels und Restaurant, Fastfood und sonstigen Läden ein Rührei essen, dass eigentlich ein isolierter, verarbeiteter Grundstoff aus einer Hülsenfrucht ist, angereichter mit Vitaminen, Nährstoffen, Farb- und Geruchsstoffen um sowohl die geschmacklichen als auch die ernährungsphysiologischen Eigenschaften von Ei zu simulieren. Natürlich nur die Guten – das Cholesterin zum Beispiel kann man im Designprozess ja weglassen.

Neue Fragen?

Für mich entstehen damit viele neue Fragen. Fragen auf die es pro und contra Antworten gibt – aber auf alle Fälle sollten wir beginnen, eine Meinung dazu zu haben:

  • Ist es wirklich sinnvoll hoch verarbeitetes Design-Food zu essen, um Eier einzusparen? Wollen wir wirklich, dass man uns vorgibt, wie Eier schmecken?
  • Wollen wir, dass unsere Kinder irgendwann nicht mehr wissen, wie ein Ei aussieht und wie es schmeckt?
  • Und ist es für unseren Körper wirklich ausreichend, Wirkstoffe in reiner Form zu uns zu nehmen? Hat die Zusammensetzung eines natürlichen Lebensmittels – ihr Wassergehalt, ihre Fette, ihre Fasern und Ballaststoffe, ihre Vitamin- und Mineralstoffkombination wirklich keinen Mehrwert für den menschlichen Körper? Kann ich dagegen einfach ein Designprodukt zu mir nehmen, das nach Mundgefühl, Geschmack und Geruch erzeugt wurde und deren Wirkstoffkombinationen synthetisch oder isoliert zugefügt werden?

Ich persönlich bezweifle all das und würde mir ein Mittelmaß in den Entwicklungsabteilungen wünschen. Warum nicht partiell Eier ersetzen, wo auch ein anderes nachhaltigeres Bindemittel funktioniert und bei echten Eiergerichten weiter Eier verwenden? Warum strebt jedes Unternehmen immer das Maximum an – die 100 % Wende? Die Welt ist nicht nur Schwarz oder Weiß – meine ich. Aber ich habe auch nicht Bill Gates als Aktionär und erwarte nicht den maximalen return on invest…