In Oslo wurde am 17. Jänner ein bahnbrechendes Forschungsprojekt präsentiert, das erstmals die unmittelbaren Zusammenhänge von menschlicher Gesundheit, Ernährung und Klimaschutz aufzeigt. 37 namhafte internationale Expertinnen und Experten formulierten als sogenannte EAT Lancet Kommission erstmals wissenschaftliche Ziele für eine gesunde Ernährung und eine nachhaltige Lebensmittelproduktion. Ziel der dreijährigen interdisziplinären Forschung war es, folgende Frage zu beantworten:

Kann es für eine zukünftige Bevölkerung von 10 Milliarden Menschen eine gesunde Ernährung innerhalb der planetaren Grenzen geben?

EAT Lancet Report

Viele Medien titelten nach der Präsentation mit einem neuen Speiseplan, der Menschen und Erde rettet. Tatsächlich zeigt der EAT Lancet Report auf, dass wenig Fleisch, viel Gemüse und Obst sowie Nüsse und Hülsenfrüchte nicht nur unseren Planeten retten könnte sondern auch Millionen Menschenleben. Bis zu 11 Millionen Tote durch westliche Fehlernährung könnten durch eine gesunde, überwiegend pflanzenbasierte Nahrung jährlich verhindert werden, so die Erkenntnisse der Wissenschafter.

The Planetary Health Diet

Die sogenannte „planetary health diet“ berücksichtigt also neben den gesundheitlichen Aspekten der menschlichen Ernährung auch die planetaren Grenzen.

Zitat aus der „Die Zeit Online“ vom 17. Januar: „Was wir essen und wie wir es produzieren, entscheidet über die Gesundheit der Menschen und des Planeten. Und wir machen gerade einen ernsthaften Fehler“, sagt Tim Lang, einer der Studienautoren von der University of London. Und so fordert der Bericht tatsächlich einen radikalen und schnellen Wandel. Weltweit müsste der Verzehr von rotem Fleisch und Zucker um die Hälfte reduziert werden.“

Die Kommission gibt sehr genaue Ernährungsempfehlungen in Gramm pro Tag – aber um es zu vereinfachen kann man es im Bereich der tierischen Nahrungsmittel am besten so beschreiben: wöchentlich ein Burger, eine Portion Huhn, zwei Portionen Fisch, zwei Eier und täglich maximal 250ml Milch.

Gesund für die Menschen, gesund für die Umwelt

Der Bericht zeigt erstmals, dass sich nicht nur die Zusammensetzung der Lebensmittel für unseren täglichen Speiseplan verändern muss, sondern auch die Landwirtschaft. Nur wenn die Produktionsmethoden nachhaltig werden, kann das Ziel, alle Menschen mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen, auch erreicht werden. Die Maßnahmen dazu sind vielfältig und anspruchsvoll – vom Schließen der Ertragslücken über die Eliminierung der Bio-Spritproduktion von unseren Feldern bis hin zu drastischen Phosphor- und  Stickstoffreduktionen sowie dem Stopp des Verlustes der Biodiversität.

Und on the top müssen Strategien gefunden werden, um die Verschwendung von Lebensmitteln wenigstens um 15% zu verringern.

Im Report-Summary finden sich neben den zwei Zielen – gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion – auch fünf strategische Ansätze und sechs Handlungs- und Umsetzungsempfehlungen.

https://eatforum.org/eat-lancet-commission/

Die Forderungen aus dem Bericht sind jetzt nicht gänzlich neu und großteils im Einklang mit Forderungen wie wir sie auch vom Weltagrarbericht oder der Weltgesundheitsorganisation kennen. Neu und völlig einzigartig ist aber ihre Vernetzung zu einem gemeinsamen Maßstab von menschlicher Gesundheit und einer lebensfähigen Umwelt.

Transformation des globalen Ernährungssystems

Hinter dem Bericht steht die sogenannte EAT-Lancet Kommission,  eine unabhängige interdisziplinäre Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten für Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Politik und Landwirtschaft. Initiiert wurde die Forschungsarbeit durch das norwegische non-profit StartUp EAT in Zusammenarbeit mit der medizinischen Fachzeitschrift Lancet und dem unabhängigen Forschungsinstitut Stockholm Resilience Centre. Die Kommission wurde mit dem Ziel gegründet, eine wissenschaftliche Grundlage für eine nachhaltige Veränderung des globalen Ernährungssystems zu schaffen.

Die wichtigste Vorlesung: Livestream zum Launch des EAT Lancet Reports in Oslo